DEMO Content Schwarzer Humor


Unser gesamtes Leben ist durchgeplant. Von frühester Kindheit an arbeiten wir in der Schule, später im Berufsleben auf lohnende Ziele wie Macht, Wohlstand und Gesundheit hin. Doch der Mensch kann nicht rund um die Uhr beschäftigt sein. Nach dem Feierabend sind Zerstreuung und auch ein gewisser intellektueller Leerlauf vonnöten, um die Batterien wieder aufzuladen. Anschauliche Beispiel dafür finden Sie hier!

Demo Spruch 1
Dies ist der erste Spruch

Demo Spruch 2
Dies ist der zweite Spruch

Anzeige

Übersetzt man Sinnlosigkeit ins Englische, erhält man den Begriff "nonsense". Die Nonsensliteratur gilt als eine literarische Gattung. Ziel ist es, einen Unsinn darzustellen, während das Mittel dazu eine Regelhaftigkeit aufweist. So entstanden verschiedene Formen, so zum Beispiel die Verballhornung. Dabei kommt es zu Wortneubildungen aus Redewendungen oder einzelnen Wörtern. Der Buchdrucker Johann Balhorn der Jüngere wollte scheinbar im Jahre 1586 ein fehlerhaftes Exemplar des "lübischen Rechts" verbessern. Da hinterher die Fehler zugenommen statt abgenommen hatten, war "verballhornen" zunächst ein Synonym für "verschlimmbessern". Der Erzählforscher Lutz Röhrich meint jedoch, dass zwei Juristen bei der Übersetzung ins Hochdeutsche ungenau gearbeitet hätten und es so zu einigen Missverständnissen gekommen sei. Weil aber nur Johann Ballhorn auf dem Exemplar erwähnt wurde, setzte sich die Redewendung zunächst mit "verbessert durch Ballhorn", später mit "verballhornen" durch. Bekannte Beispiele sind der "Ratzefummel" für "Radiergummi" oder "Hokuspokus" statt "hoc est corpus", was so viel wie "das ist mein Leib" bedeutet.

Auch zu nennen ist der Malapropismus, bei dem man ein Wort verwendet, das ähnlich klingt wie das Gemeinte, jedoch nicht dem richtigen entspricht. Dies kann unabsichtlich geschehen oder gezielt als literarisches Mittel eingesetzt werden. In dem Stück "Die Rivalen" von Richard Brinsley Sheridan benutzt Mrs. Malaprop komplizierte und übermäßig lange Wörter, um ihre Gelehrsamkeit zu vermitteln. Dabei verheddert sie sich jedoch ständig und gebraucht die Wörter falsch. So kam es zu der Bezeichnung Malapropismus, was nach dem Französischen so viel wie "Unangemessenheit" bedeutet. Die absichtliche Verwendung findet man hauptsächlich in der Werbung oder um Charaktere zu beschreiben. Als Anti-Sprichworte oder Floskeln spricht man bestimmte Phrasen als Malapropismus bewusst aus. Zum Beispiel heißt es dann falsch "Er hat sich aus der Atmosphäre gezogen" statt richtig "Er hat sich aus der Affäre gezogen". Untersuchungen von Fay und Cutler ergaben, dass fast 90 Prozent eine gleiche Silbenanzahl aufweisen und die neuen Wörter oder Sätze zu 98 Prozent auf die gleiche Weise betont werden. Damit Malapropismen einen humorvollen Wert haben, ist das Wissen über das eigentliche Wort vorausgesetzt.

Beim Spoonerismus, benannt nach William Spooner, vertauscht man lediglich Wortbestandteile. Da neben dem Rektor am College in Oxford auch ein polnischer Graf anfällig dafür gewesen ist, kennt man diese Form auch als Marrowsky. Trotz einer daraus unsinnig resultierenden Aussage sollen die einzelnen Wörter immer noch mit einem Sinngehalt ausgestattet sein. So sind zum Beispiel Dreher wie "spuck schlecht" für "Schluckspecht" oder "dumme Stänker" für "stumme Denker" zulässig.

Eine weitere Variante unsinniger Wortspiele bietet der Schüttelreim. Bei einem solchen muss man die zwei betonten Silben am Ende eines Wortes miteinander austauschen. Diese Gedichtform existiert seit spätestens dem 13. Jahrhundert. Vom 19. Jahrhundert an ist die Aufheiterung das einzige Ziel von Schüttelreimen. Ein Beispiel findet man in den Versen "Erst isst du mit den Indern Reis/dann gibst du deinen Rindern Eis".

Dass dichterische Unsinnsformen zu einer literarischen Gattung zählen, ist dem Buch "Book of Nonsense" von Edward Lears aus dem Jahre 1846 zu verdanken. Der Autor verfasste unter anderem Limericks. Diese sind so aufgebaut, dass formal in der Regel fünf Verse das Reimschema aabba aufweisen. Inhaltlich beziehen sie sich im ersten Vers auf eine bestimmte Eigenschaft einer Person oder auf deren geographische Lage. Der zweite Vers gibt Aufschluss über den allgemeinen oder aktuellen Zustand des Betroffenen. Dieser wird in den nächsten beiden Versen fortgeführt, wobei die Definition über die entsprechenden Reimwörter erfolgt. Im fünften Vers kommt es häufig zu einer Wiederholung des Reimwortes aus dem ersten Vers, während gleichzeitig mit einer Pointe ein Urteil über die Person beziehungsweise die Situation gefällt wird. Hans Magnus Enzensberger übersetzte sämtliche Limericks von Edward Lears ins Deutsche. Die Namensgebung des Limericks stammt entweder von der gleichnamigen irischen Stadt ab oder von einem Soldatenlied mit dem Titel "Will you come up to Limerick". Eine Erklärung für die rhythmische Gestaltung könnte in der Ähnlichkeit zu "Mother Goose's Melody", einem Kinderreim in der Sammlung von "Nursery Rhymes", liegen.

Innerhalb Deutschlands wurden die Limericks vor allem seit den 1970ern durch das Duo Schobert und Black bekannt. Ebenso kam es zu Veröffentlichungen von Limericks durch Ulrich Roski, den Satiriker Dieter Höss, Isaac Asimov und Ogden Nash.

Allgemeine Stilmittel für Nonsensliteratur sind unter anderem unbekannte Metaphern, paradoxe Äußerungen, Erfindungen von Substantiven sowie leere Vergleiche. Der Sinn in einer unsinnigen Aussage kann also lediglich im Textzusammenhang erschlossen werden. Bekannte Autoren in diesem Bereich waren Lewis Carroll, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz und Heinz Erhardt. Im Satiremagazin "Titanic" kommt ständig Nonsens vor. Besonders beliebt sind auch die in Verse verpackten Streiche von Wilhelms Busch "Max und Moritz". Die beiden Jungen stellen nur Unfug an und der Text bekommt überwiegend positive Resonanz. Daraus lässt sich schließen, dass es den Deutschen nicht zwangsläufig wichtig ist, eine Spannung aufzulösen, sondern dass sie auch daran interessiert sind, etwas völlig Spannungsfreies vorgesetzt zu bekommen. So können sie sich bequem und ohne Stress amüsieren. In der Regel trifft das auch auf sinnlose Sprüche zu, so dass nicht erst Energie angestaut werden muss, von der man sich zu befreien versucht. Es geht mehr darum, in ein naives Weltbild zu versinken. Aus diesem Grund erzielt auch Otto Waalkes mit seiner Komik sehr große Erfolge. Denn auch er greift auf zahlreiche Wortspiele und alberne Sprache inklusive passender Gestik zurück. Dabei ist er stets gut gelaunt und fröhlich. Englischer Humor hingegen äußert sich durch ausdruckslose Trockenheit. In der Kunst findet man den Nonsens beim Dadaismus.

Um das Lachen zu fördern, gibt es in Leipzig das "Europäische Humor- und Satire-Festival". Jedes Jahr im Oktober dauert die Lachmesse elf Tage an. Geboten wird politische Satire, Comedy und ein literarisches Programm.

Ein Merkmal italienischen Humors ist der beißende Spott. Entweder lachen die Einwohner über ihre eigenen Fehler oder über die Traditionen und Angewohnheiten anderer Länder. In Österreich darf der Tod eine zentrale Rolle beim Humor spielen und kann somit auch dem schwarzen Humor zugeordnet werden. Davon setzt sich der Schweizer Humor ab, indem er sich selten vordergründig zeigt. Denn die Schweizer sind der Meinung, dass sie es nicht darauf anlegen müssen, nach außen hin witzig zu sein. In Belgien wiederum spielen Anspielungen auf die Monarchie und die Kirche eine Rolle oder Selbstironie. Diese gilt es, möglichst umständlich zu formulieren. Dabei halten sich die Belgier im Bereich des Absurden selbst für besonders witzig. Der Humor Spaniens ist vor allem auf die Gewohnheiten der Galicier ausgerichtet. Zudem finden sich in Spanien einige seltsame Ortsnamen wie "Ochsenkopf", "Aschenbecher" oder "schlecht gekocht". In Portugal hingegen ist wieder mehr mit schwarzem Humor zu rechnen. Griechischer Humor deckt sich mit dem Lachen über die Zeit der 50er Jahre. Damals musste man den Bürgerkrieg, den Hunger und die Besatzung vergessen. Gerade deswegen eignet sich die Komik dieser Zeit, um auch aktuelle problematische Geschehnisse oder Krisen vorübergehend wegdenken zu können. Ein heikles Thema in der Türkei sind humoristische Angriffe auf den Präsidenten. Nicht jeder, der diesbezüglich Versuche wagt, kommt ungeschoren davon. Der Präsident ist vor allem nicht in der Lage, über sich selbst zu lachen. Gleichzeitig halten er und seine Anhänger ihn persönlich aber für witzreich. Ganz anders sieht es in Finnland aus, wo recht makabrer Humor bevorzugt wird. Wirft man einen Blick nach Schweden, erkennt man eine längere Entwicklung des Humors. Zu Beginn war er, analog zu Islands Humor, eher schroff und lakonisch. Dann kam es aber im Laufe der Zeit zu längeren und amüsanteren Witzen. Aus der Bellmannhistoria von Carl Michael Bellmann geht hervor, dass Witze an die Respektlosigkeit der Obrigkeit gerichtet waren. Unter König Gustav III. entstanden viele Komödien. Um 1820 gründeten Studenten Juvenalerna, eine Studentengesellschaft. Dort sang man viele Possenlieder. Komiker passten ihren Humor daran an. Ab ca. 1860 folgten viele verschiedene Humorzeitschriften.
In den 1930er Jahren brachte Nils Poppe den aus den USA stammenden verrückten Humor in das Land mit ein. Seit den 1980er Jahren spielte auch der Radiohumor wieder eine zentrale Rolle. Fast zur gleichen Zeit kam eine große Welle des ironischen Humors auf, so dass sich sogar der Begriff "ironische Generation" einbürgerte. In Island ist es alltäglich üblich, sich über andere Nationen lustig zu machen. Auch schwarzer Humor kommt dort nicht zu kurz. Verlässt man den europäischen Kontinent, kann man sich die Entwicklung der Witzkultur Asiens am Beispiel von China ansehen. Diese richtet sich nach vier verschiedenen Zeiträumen. In der Prä-Quin-Zeit herrschten verschiedene Königsreiche, die alle Krieg miteinander führten. Personen mit beratender Funktion wurden eingesetzt, die durch das Erzählen von Witzen indirekt politische Vorschläge preisgaben. Die Witze verbreiteten sich aber auch auf dem Land und in den Städten. In der Wei-Jin-Zeit entstand eine Witzsammlung mit dem Titel "Das Lachwäldchen". Als die Ming-Dynastie folgte, verbreiteten sich mehrere Sammlungen mit Witzen, so zum Beispiel die "Lachschatzkammer", die "Große Lachschatzkammer" und "Lachen in den alten und in den neuen Zeiten". Auch hier findet man zum Teil Andeutungen, die den Führungsstil betreffen. Ab dem 20. Jahrhundert wurden die Witze mitunter durch die westliche Kultur beeinflusst. Es wurden zudem mehr Abhandlungen über die Witze und über deren Bedeutung verfasst. Die soziale Funktion und der Hintergrund eines solchen waren wichtiger als die Möglichkeit, einen Grund zum Lachen zu bekommen. Dies liegt vor allem daran, dass in China die Moralvorstellungen eine große Rolle spielen und dass sich durch Lachen eine Gesellschaft nicht nützlich weiterentwickeln könnte. Es genüge, wenn man den Humor durch die Verschriftlichung preisgebe, sich jedoch nicht zu unpassendem Verhalten hinreißen lasse. Denn man solle sich stets in Selbstdisziplin üben. Während sich die Thematik früher auf die Herrschaftsformen bezog, geht es in der heutigen Zeit überwiegend um Sprachen, Familienbeziehungen, Technik und Berufe. Die Mentalität in Russland sieht eher so aus, dass besonders viel Humor vonnöten sei, je schlimmer die vorherrschende Situation sei. Russland war dabei in Folge von Mangelwirtschaft und dem Gefühl, politisch unfrei zu sein, ab den 1990er Jahren eines der führenden Länder hinsichtlich Selbstironie, Bissigkeit und Schwärze. Dies machte sich vor allem auch bei Comedyauftritten bemerkbar. In der heutigen Zeit findet man dort politischen Humor eher weniger, es sei denn, wenn es um Außenpolitik geht. Hierfür muss es nicht zwangsläufig eine authentische Vorlage geben. Wer dann trotzdem nicht über die Äußerungen lachen kann, wird in allen Kreisen als humorlos angesehen. Die fixierten Witze werden mehr im Internet und somit in den sozialen Netzwerken populär als in öffentlichen TV-Sendungen. Interessant ist die Selbsteinschätzung der Russen, die stolz auf ihren Humor sind. Gleichzeitig sind sie der Meinung, die Deutschen seien viel zu ernst und hätten keinen Sinn für den Spaß.

Bei all den verschiedenen Zugängen zu Witz, Humor und Komik kann letztendlich niemand abstreiten, dass sinnlose Sprüche eine gute Alternative zur Erholung oder zum Abreagieren bieten.