Geburtstagsgedichte


Matthias Claudius
Ihr Leute, groß und klein,
Ihr wißt, dass heute unser Festtag ist
und, dass wir feiern müssen.
So fangt nur gleich frühmorgens an
und bis die Stern am Himmel stahn,
und singt und springt und springt und singt.

Denk heute niemand an Gefahr,
und ob wir über hundert Jahr
den Tag noch feiern werden.
Wir haben ihn ja heute noch,
Gott sei gelobt! so braucht ihn doch,
und macht uns heut das Herz nicht krank und schwer.

Denn freilich! Alles Ding vergeht,
auch unser Festtag nicht besteht,
er wird uns endlich fehlen.
Doch nicht so bald - fleht und hofft,
er soll noch wiederkommen oft,
soll oft noch wiederkommen!

Friedrich de la Motte Fouqué
Lieb Mütterchen, viel Glück
Zu diesem schönen Tage;
Er komm' uns ohne Plage
Noch oft und froh zurück.
Sie dachten all sich aus
Ein Geschenk zu deinem Feste;
Für mich ist wohl das Beste
Ein Verschen und ein Strauß.

Julius Sturm
Genieße still zufrieden
den sonnig heitren Tag.
Du weißt nicht, ob hienieden
ein gleicher kommen mag.

Es gibt so trübe Zeiten,
da wird das Herz uns schwer,
dann wogt von allen Seiten
um uns ein Nebelmeer.

Da wüchse tief im Innern
die Finsternis mit Macht,
ging nicht ein süß Erinnern
als Mondlicht durch die Nacht.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Heute will ich fröhlich sein,
Heute guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

Ist der heil'ge Christ ins Haus
Heut schon eingekehret?
Hat der heil'ge Nikolaus
Uns was einbescheeret?

Nein, so hört es denn von mir,
Hört es, lieben Leute!
Den Geburtstag feiern wir
Unsers Papa's heute.

Darum will ich fröhlich sein,
Heißa! guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

Friedrich Rückert
Ein Festtag soll dich stärken
zu deines Werktags Werken,
dass du an dein Geschäfte
mitbringst frische Kräfte.
Du darfst nicht in den Freuden
die Kräfte selbst vergeuden;
neu sollen sie ersprießen
aus mäßigem Genießen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Wie schön, daß in des Herbstes Tagen
Noch Blumen blüh'n in Pracht und Glanz,
Als wollten sie uns Kindern sagen:
»Wir blühen nur für euch zum Kranz.

Ihr sollt zum Kranz uns heute reihen,
So schön, wie sich es machen läßt,
Und dem Papa als Glückwunsch weihen,
Denn heut ist sein Geburtstagsfest.«

Es ist erfüllt der Blumen Bitte,
Nimm unsern Glückwunsch freundlich an:
O bleib' bei uns in unsrer Mitte
Und freue dich mit uns fortan!

Wir wollen dir auf allen Wegen
Auch liebe gute Kinder sein;
Wir flehen Gott um Seinen Segen,
Und was wir fleh'n, wird Er verleih'n.

Friedrich Rückert
Ein Festtag soll dich stärken
zu deines Werktags Werken,
dass du an dein Geschäfte
mitbringst frische Kräfte.
Du darfst nicht in den Freuden
die Kräfte selbst vergeuden;
neu sollen sie ersprießen
aus mäßigem Genießen.

Geburtstagsgedichte ... "Sich einen kurzen Geburtstagsgruß selbst auszudenken, bekommen die meisten Leute gerade eben noch so hin. Wenn es aber ein etwas längerer Text oder sogar ein Gedicht werden soll, wird es bereits schwieriger. Man starrt das leere Blatt an, doch die Kreativität lässt auf sich warten. Irgendwann kommt doch ein erster Einfall, man schreibt ihn auf, liest ihn erneut durch und befindet ihn dann für doch nicht gut genug. Alles wird wieder durchgestrichen und von Neuem begonnen. Das wiederholt sich solange, bis man frustriert aufgibt und doch nur mit großen Buchstaben „Alles Gute zum Geburtstag“ oder Ähnliches in die Karte schreibt. Das muss aber nicht die einzige Alternative zu einem selbstgeschriebenen Gedicht sein. Stattdessen kann man Geburtstagsgedichte anderer Dichter in der Karte zitieren. Wem das zu unpersönlich ist, der kann das Gedicht noch um einige persönliche Worte ergänzen und zum Beispiel erklären, warum man ausgerechnet dieses Gedicht für das Geburtstagskind ausgewählt hat."

Sprichwort
Was soll ich Dir sagen, was soll ich Dir geben?
Ich wünsch Dir ein langes, glückliches Leben.
Ich hab ein Herz, das denkt und spricht:
Ich hab Dich lieb, mehr weiß ich nicht.

Ottilie Wildermuth
Sei willkommen, Tag der Freuden,
Sei gegrüßet tausendmal.
Heute soll mein Herz sich weiden,
Freude tönen überall.

Freudig schlägt es dir entgegen,
Vater! Dieses Herz voll Lust,
Wünschet Glück und Himmelssegen
Aus dem reinsten Quell der Brust.

Niemals soll es dir missfallen,
Deine Tugend sei mein Stab;
Ich will fromm durch's Leben wallen,
Bis mich einst bedeckt das Grab.

Ich bin dein und wohlgefallen
Wird's ihm, der dich mir geschenkt,
Wenn vor im mein kindlich Lallen
Täglich betend dein gedenkt.

Unser'n Vater, Welterhalter!
Wie uns alle, groß und klein,
Schütze gnädig, lass sein Alter
Froh, wie meine Kindheit sein.

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Richard Dehmel
Liebe Mutter! Du zählst sie gerne,
deine dreiunddreißig Geburtstagssterne.
Hier stehn sie strahlend; und daneben
siehst du zwei silberne Halbmonde schweben.
Das sind zwei Lampen fürs Klavier,
eine von Vater, die andre von mir.
Kommt nun der Abend mit müden Beinen,
dann läßt du deine Monde scheinen
und spielst; und wir, wir hören und träumen
von den hohen himmlischen Räumen,
von deinem Sternenringelreihn –
Vater wacht noch, ich schlafe ein.

Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
Den frohen Sinn der Jugend zu erhalten,
Wenn auch das Alter schon die Locken bleicht,
Das ist's, was jeder wünscht, doch schwer erreicht,
Weil nur dem Glücklichen es vorbehalten.

Ob wir nun fröhlich mit den Stunden schalten,
Ob ihr phlegmatisch durch die Tage schleicht,
Und ob's im Busen stürmet oder schweigt,
Es muß das Herz doch nach und nach erkalten.

Doch seh' ich Dich, so schwindet all mein Zagen;
Denn ungebeugt im Kampfe mit der Welt
Hast Du das Alter aus dem Feld geschlagen.

Wer sich den Mut in diesem Kampf erhält,
Der bleibt, mag auch das Herz ihm leiser schlagen,
Von ew'ger Jugend Sonnenschein erhellt.

George Gordon Byron
Alt wirst du – wer wirds nicht?
- doch wer nimmt, wie du,
mit Jahren an Wert und Tugenden zu?

Horaz
Genieß die Gegenwart mit frohem Sinn,
sorglos, was dir die Zukunft bringen werde.
Doch nimm auch bittern Kelch mit Lächeln hin -
vollkommen ist kein Glück auf dieser Erde.

Paula Dehmel
Schnell, schnell, Besen,
Feg die Stube rein
Wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
Muß alles sauber sein!

Wisch, wisch, Lappen,
Über Stuhl und Schrank
Wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
Sind sie blitzeblank!

Blüh, Blüh, Blume,
Blüh recht frisch
Wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
Stehst du auf dem Tisch!

Herz, Herzmuttchen,
Schnell das neue Kleid
Bis Väterchen zum Kaffee kommt,
Ist nur noch wenig Zeit!

Tick, tick, Uhrchen,
Renn doch nicht so fix
Wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
Mach ich meinen Knix!

Fertig, alles fertig,
Der Kuchen ist auch da
Der Kaffee kommt, der Vater kommt,
Mein Verschen kann ich ja:
"Heut ist Dein Geburtstag!"

Geburtstagsgedichte ... "Bei dem Wort „Gedicht“ denken viele Leute direkt an lange Balladen mit ausgeklügelten Reimen. Dabei können Gedichte auch kurz und knackig sein und sie müssen sich nicht immer reichen. Wichtig ist, dass sie einen gewissen Rhythmus haben und sich schön lesen lassen. Das beste Geburtstagsgedicht muss daher nicht zwingend das längste sein, auch wenn das natürlich Eindruck schindet, denn vorrangig kommt es wie immer auf den Inhalt an. Um ein wirklich passendes Gedicht zu finden, sollte man auch nicht direkt das erstbeste wählen, das einem begegnet. Bei solchen Gedichten läuft man auch Gefahr, dass sie von vielen anderen Leuten verwendet werden, die ebenfalls nur wenig Mühe in die Suche investiert haben. Das kann dann schnell peinlich enden, wenn das Geburtstagskind die dritte Karte mit dem gleichen Gedicht liest und direkt Bescheid weiß, dass man nur schnell irgendein Gedicht kopiert hat. Um Ihnen die Auswahl trotzdem etwas zu erleichtern, haben wir hier einige der schönsten Verse für Sie gesammelt. Darunter auch einige weniger bekannte und ausgefallene Gedichte."
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Franz Grillparzer
Dir zum Geburtstag als Präsent
Sag ich nun nicht mehr: "Sakrament!"
Auch: "Luder" will ich nicht mehr sagen;
Nicht Hund und nicht Verwandte schlagen,
Die Zunge fest im Maule tragen,
Will artig sein mit Füß und Händ:
Das ist der NAME Geburtstags-Präsent.

Abraham Gotthelf Kästner
Den Tag verhehlt die Schöne mit Bedacht,
Der um ein Jahr sie älter macht;
Doch nie wird sie veraltert seyn,
Nimmt sie wie du, durch Witz und Tugend ein.

Ernst von Wildenbruch
Alt sein heißt ja nicht schwach sein;
es heißt nur doppelt wach sein
für das, was wahr und echt.

Du lebenslang ein Wächter
des Echten und sein Hegfer,
just dir steht Altsein recht!

Christian Friedrich Daniel Schubart
Glück und Heil am Tage,
Der dich einst gebar!
Vater, was ich sage,
Ist so fromm und wahr.

Lies auf diesem Blättchen,
Das mein Herz dir giebt,
Wie dein kleines Mädchen
Dich so herzlich liebt.

Küsse deine Kleine,
Sieh ihr ins Gesicht;
Liebe, wie die meine,
Schildert kein Gedicht.

Wo die Sternlein stehen,
Ist ein großer Mann,
Der, was Kinder flehen,
Auch erfüllen kann.

O, der wird dir geben
– Denn ich bitt' ihn ja –
Langes, frohes Leben,
Herziger Papa.

Und mir wird's gelingen,
Immer wohlgemuth
Um dich her zu springen,
Wie das Lämmlein thut.

Will dich streicheln, herzen,
Will mit Mädchenlist
Um dich hüpfen, scherzen,
Wenn du traurig bist.

Will dein Knie umschlingen,
Bester Vater, du!
Will ein Lied dir singen,
Und du geigst dazu.

Heisa! Welche Freude!
Vater, tanz' mit mir!
Alles freut sich heute
Innig über dir.

Mama wünscht dir Glücke,
Und der Ludwig zeigt
Schon in seinem Blicke,
Was der Mund verschweigt.

Paula Dehmel
Kräht der Hahn früh am Morgen,
krähet laut, krähet weit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Guckt das Eichhörnchen runter:
Wenig Zeit, wenig Zeit!
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Kommt das Häschen gesprungen,
macht Männchen vor Freud:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Steht der Kuchen auf dem Tische,
macht sich dick, macht sich breit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Und Vater und Mutter,
alle Kinder, alle Leut'
schreien: Hoch der Rumpumpel,
sein Geburtstag ist heut!

Joachim Ringelnatz
Ich habe heute wieder lange gebrütet
und nach Geburtstagsreimen gehetzt.
Ich habe gediftelt. Ich habe gewütet.
Und zuletzt das ganze Geschreibsel zerfetzt.

Da dachte ich, wie das oft geht:
Wenn Vater hinter dir steht –
und der sieht dich so krampfhaft dichten,
dann sagt er: „Ach, mach doch keine Geschichten!“

Und wir sprechen kein Wörtchen vom Geburtstagsallerlei,
von den Wünschen, die ich ihm niederschrieb.
Wir küssen uns stumm und fühlen dabei –
wir haben einander so herzlich lieb.

Paula Dehmel
Leises Klopfen an der Türe:
Kann ich ’rein Mama?
Frisch gewaschen, frisch gebügelt
Steht Rumpumpel da.
Rosen in beiden Händchen!
Wie der Kerl sich freut!
Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
Mutti Burtstag heut,
Vater putzt die große Stube,
Die ist furchtbar schön;
Lauter Blumen! Und die Torte!

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